Kennen Sie Traumfänger? Diese hübschen, dekorativen Gebilde mit Federn und Perlen hängen in der Regel über dem Bett, sie sollen schlechte Träume abfangen und gute Träume durchlassen. Diese schöne Idee kommt aus der Kultur der indigenen Bevölkerung Nordamerikas. Dort haben Traumfänger eine ähnliche Bedeutung wie Glücksbringer. Aufgrund ihrer Gestaltung haben sie einen beruhigenden Effekt, sie sollen Schutz bringen und Zuversicht stärken. Heute haben Traumfänger weniger eine spirituelle Bedeutung, sie sind eher hübsche Dekorationsgegenstände. Dennoch ist der ursprünglich damit verbundene Wunsch, böse Träume und Unheil abzuwehren und alles zum Guten zu wenden, durchaus nachvollziehbar. Aber so einfach ist das im Leben nicht.
Unsere nächtlichen Träume lassen sich nicht durch Traumfänger beeinflussen. In unseren Träumen verarbeiten wir das, was wir erlebt haben. Sie haben mit dem zu tun, was um uns herum geschieht, mit dem, was uns freut, und mit dem, was uns Angst macht, auch wenn wir uns dessen oft gar nicht bewusst sind. Träume sind bizarre Spiegel unserer Seele und in Zeiten der Anspannung sehen unsere Träume anders aus als in Zeiten der Ruhe und Entspannung. Morgens früh, wenn wir uns noch im Schwebezustand zwischen dem Land der Träume und der realen Welt befinden, flimmern einem vielleicht noch Reste eines Traums durch den Kopf. Ein paar Bilder bekommt man vielleicht noch zu fassen oder man kann sich noch an ein Gefühl erinnern und diesem einen Moment nachspüren. Meistens bleiben aber verworrene Geschichten oder unzusammenhängende Traumstücke zurück. Manchmal kann man sich auch an gar keine Traumbilder erinnern. Und dann gibt es auch noch Träume, die immer wiederkommen; Träume, die uns vielleicht etwas sagen wollen oder Träume, die sich zu Lebensträumen verdichten. In solchen Träumen zeigt sich oft eine tiefe Sehnsucht nach Veränderung im Leben. Träume können eine schöpferische Kraft freisetzen, die wir brauchen, um immer wieder neue Perspektiven zu entwickeln.
Seit jeher versuchen Menschen die Bedeutung von Träumen zu erklären. Im Traum öffnet Gott das Ohr der Menschen, heißt es z.B. bei Hiob. Träume gelten als Botschaften Gottes. In der Bibel erfahren wir immer wieder von Engeln, die Josef und anderen im Traum erscheinen und ihm Anweisungen und Orientierung geben. Wir hören von Visionen, die Kraft zu Veränderungen beinhalten und von Menschen, die wie Jakob aus einem Traum auf-wachen mit dem Gefühl: Mir wird nichts passieren, Gott steht mir bei.
Manchmal wünsche ich mir auch, dass Gott im Traum zu mir spricht, dass seine Botschaft für mich klar erkennbar ist und Gott mir auf diese Weise Perspektiven für meine Zukunft aufzeigt oder klare Anweisungen gibt. Nur ein kleiner göttlicher Fingerzeig, eine kleine göttliche Regieanweisung, das wäre schon hilfreich. Aber wer weiß, vielleicht passiert das sogar.
Ich glaube an Gott und seine Verheißungen von einem guten und erfüllten Leben. Und ich glaube, es ist gut, an Träumen festzuhalten - am nächtlichen Traum ebenso wie an dem Traum von einer besseren, gerechten, lebenswerten Welt. Ich will nicht aufhören, von einer Welt ohne Waffen und Kriege zu träumen, in der die Menschen in Frieden miteinander leben.
Und dann lese ich Worte, wie den Vers aus dem Psalm 37: „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohlmachen“ (Psalm 37,5, Lutherbibel 2017) oder in der Übersetzung der Bibel in gerechter Sprache: „Überlass dem Ewigen deinen Weg, vertraue auf ihn, er wird handeln.“
Ich möchte darauf vertrauen, dass Gott Gutes für mich im Sinn hat. Ich will der Kraft der Träume trauen und hoffnungsvoll in die Zukunft schauen, auch wenn unsere Welt nicht gerade traumhaft ist. Manchmal braucht es etwas Zeit, bis ein Traum Wirklichkeit wird. Umso wichtiger ist, dass wir unsere Träume miteinander teilen und uns gemeinsam dafür einsetzen, dass Träume Wirklichkeit werden. Ich brauche keinen Traumfänger, der mich vor Bösem bewahrt, ich will stattdessen auf Gottes Handeln vertrauen und in diesem Vertrauen meinen Träumen trauen.
Guter Gott.
lass uns darauf vertrauen, dass Du es gut mit uns meinst.
Lass uns nicht aufhören, von einer Welt zu träumen,
die anders ist.
Schenke uns Mut und Ideen, nach neuen Wegen zu suchen,
um uns immer wieder neu für Frieden, Gerechtigkeit und
Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.
Lass uns der Kraft der Träume trauen.
Amen
Christine Kucharski
(in: Evangelische Frauen im Rheinland (Hrsg.), Träume leben. Andachten 2026. 24 Andachten durch das Kirchenjahr)