Essen, 29.06.2026. In einem Gottesdienst in der Marktkirche am 29. Juni hat die Evangelische Frauenhilfe in Essen gleich vierfach Abschied genommen: Zum einen wurde Daniela Emge, Vorsitzende des Kreisverbands der Frauenhilfe, von Assessorin Monika Kindsgrab aus ihrem Dienst entpflichtet und in den Ruhestand verabschiedet.
Ein Schlusspunkt war der Gottesdienst sodann für den Kreisverband selbst, denn weil sich keine Nachfolgerin für die Funktion der Vorsitzenden gefunden hat, wird der eingetragene Verein Ende September – im 114. Jahr seines Bestehens – aufgelöst. Deshalb wurden in der Feier auch die Mitarbeiterinnen des Kreisverbandes verabschiedet. Und nicht zuletzt muss, als weitere Folge, das vom Verband getragene Angebot der Kurberatung beendet werden.
STARKER EINSATZ FÜR DIE FRAUENHILFE
Bereits während ihrer Tätigkeit in Duisburg wurde Pastorin Daniela Emge 1999 Einzelmitglied und arbeitete erstmals im Vorstand eines Kreisverbandes mit; später in Essen war sie dann – mit Unterbrechungen – Vorstandsmitglied, stellvertretende Vorsitzende und schließlich Vorsitzende. Als die damalige Sekretärin irgendwann durch einen Stellenwechsel ausschied, übernahm sie deren Aufgaben kurzerhand mit. Und brachte in der Folgezeit, gut unterstützt durch zwei weitere Vorstandsmitglieder, gleich mehrere Satzungsänderungen auf den Weg.
Auch der Kreisverband veränderte sich: Die Beratungsstelle für Schwangerschaft, Familie und Sexualität wechselte aus der Trägerschaft der Frauenhilfe zum Diakoniewerk Essen, ein Beirat musste in den – vergrößerten Vorstand – integriert werden. Neue Veranstaltungsformate wie das „Forum“ wurden entwickelt und hielten sich über Jahre, es gab Jubiläen, Aufbrüche – parallel aber machte sich der anhaltende Mitgliederschwund bemerkbar: Aus 10.000 Mitgliedern (1926) wurden erst 1.300 (2006), dann 230 (2025). Manche Gruppen lösten sich auf, andere fusionierten, wieder andere litten darunter, dass keine Leitung gefunden wurde oder niemand den Kontakt zum Kreisverband halten wollte. Und weil die Basis bröckelte, war die Auflösung des Kreisverbandes am Ende absehbar und folgerichtig.
SOZIALES ENGAGEMENT ALS KONTINUUM
Was bei allen Veränderungen als starkes Kontinuum zutage tritt, ist das soziale Engagement, das die Evangelische Frauenhilfe zu allen Zeiten ausgezeichnet hat und auch zukünftig weiter auszeichnen wird. Unermüdlich wurde und wird für benachteiligte Frauen Partei ergriffen, werden Kollekten und Spenden gesammelt, wurde die Kurberatung, die zuletzt einmal wöchentlich im Haus der Evangelischen Kirche durch Kurberaterin Oksana Funkner ausgeübt wurde, leidenschaftlich unterstützt.
WAS BLEIBT?
Die Gemeinschaft und das soziale Engagement der Frauenhilfe werden, so hofft Daniela Emge, in Essen noch lange sichtbar bleiben. Das Ende des Kreisverbandes bedeute nicht das Ende der Frauenhilfe in unserer Stadt: Die derzeit elf aktiven Gruppen und alle Einzelmitglieder, die bisher dem Kreisverband angehörten, könnten dem Landesverband „Evangelische Frauen im Rheinland“ beitreten; auf diese Weise solle die Arbeit für Frauen gemeinsam fortgesetzt werden.
(Stefan Koppelmann, Evangelischer Kirchenkreis Essen)
Das 75-jährige Jubiläum des Müttergenesungswerkes würdigte der Essener Kreisverband der Evangelischen Frauenhilfe am Muttertag mit einem Gottesdienst in der Borbecker Dreifaltigkeitskirche. Der Kreisverband Essen ist Träger einer von 900 Kurberatungsstellen in Deutschland.
Das 1950 durch Elly Heuss-Knapp gegründete Deutsche Müttergenesungswerk unterhält heute etwa 70 Kurkliniken. „Jedes Jahr nehmen Zigtausende erschöpfte, kranke und überforderte Mütter an Kuren teil, um sich zu erholen und neue Kraft zu schöpfen“, erklärte Pastorin Daniela Emge, Vorsitzende des Kreisverbandes Essen. Heute gibt es solche Kuren auch für Kinder und Väter – und seit zwölf Jahren auch für pflegende Angehörige.
Der Gottesdienst machte die Bedeutung dieses Angebots deutlich: Angelika Irmer, ehemalige Kurberaterin und Mitglied im Vorstand des Kreisverbandes, und Oksana Funkner, derzeitige Kurberaterin der Frauenhilfe, berichteten von den Belastungen der Betroffenen. Und zwei Kurteilnehmerinnen teilten ihre persönlichen Erfahrungen und erzählten, wie dankbar sie für dieses stärkende Angebot sind.
In der Predigt stand die biblische Geschichte von der Heilung der verkrümmten Frau (Lukas 13,10-17) im Mittelpunkt. So wie sie von Jesus aufgerichtet und ermutigt wurde, erleben Frauen und Männer durch die Kuren, dass auch sie wieder Kraft schöpfen und aufgerichtet werden.
Unter dem Motto „Gestärkt geht es besser!“ bietet der Kreisverband der Evangelischen Frauenhilfe Essen e.V. an jedem Donnerstag von 14 bis 17 Uhr im Haus der Evangelischen Kirche, III. Hagen 39, eine Kurberatung an. Um eine telefonische Anmeldung wird gebeten unter: 0201 2205-430.
(Mitteilungen 2/2025)