Sieben Zeichen aus dem Johannes-Evangelium (Joh 2-11)
Himmel – das ist azurblaue sonnendurchflutete Weite voller Schäfchenwolken, dazu nachts ein leuchtender Mond am sternenklaren Firmament;
Himmel - das ist dort, wo Gott wohnt, mit seinen Engeln und allen, die ihn lieben; das Böse ist vergangen, Tränen und Traurigkeit gibt es nicht mehr, aller Schmerz ist geheilt und der Tod ist tot für immer und ewig.
Wenn es Himmel wird … - die Ursehnsucht wohl aller Menschen nach der heilen Welt, nach der bedingungslosen Liebe und dem wahren Frieden, dem göttlichen Shalom.
Doch wie könnte es tatsächlich Himmel werden, schon hier und jetzt, nicht nur in unseren Träumen, nicht nur in einer anderen fernen Welt? Himmel in unseren Gedanken, Gefühlen und Taten? Himmel in unseren Beziehungen - zu den Menschen und zu Gott? Himmel auch in uns selbst – ganzheitlich, mit Leib, Seele und Geist?
„Himmel auf Erden“ - der Traum kann schnell zum Albtraum werden und die Sehnsucht danach zur Sucht. Beim besten Willen können wir das Himmelreich weder „machen“ noch erzwingen. Schlimm genug, wenn Menschen dabei nur an ihr eigenes Wohlbefinden denken; geradezu verheerend jedoch, wenn sie mit ihren Himmelsträumen auch noch andere zwangsbeglücken wollen.
Wenn Himmel und Erde einander nahekommen, dann hat das etwas mit Transzendenz zu tun – dann wird unsere Wirklichkeit gleichsam durchsichtig auf Gottes Wirken hin. Wie das sein könnte, wie sich das anfühlt, wenn sich der Himmel öffnet, schon hier und jetzt - das lesen wir im Johannesevangelium in sieben Bildern.
Es beginnt mit dem Hochzeitsfest in Kana, als der „Bund fürs Leben“ womöglich am ersten Tag schon in die Brüche geht – wäre da nicht ein ganz besonderer Gast. Er begegnet uns wieder, als ihm 5000 Menschen, hungrig an Leib und Seele, in die Wildnis folgen.
Und wir lesen von anderen, die wahrhaft durch die Hölle gehen: ein Vater, halbtot vor Sorge um sein sterbendes Kind; die Jünger, nachts im Wirbelsturm, mitten im Galiläischen Meer; ein Gelähmter und ein Blinder, beide scheinbar ohne jede Hoffnung; zuletzt Martha und Maria, deren Welt sich gerade auflöst in Trauer um den verstorbenen Bruder Lazarus.
Sie alle haben gemeinsam, dass Jesus Teil ihrer Geschichte wird. Sie bitten und flehen, warten und hoffen - ja sie träumen ihn förmlich in ihr Leben hinein. Nicht immer wird klar, was er eigentlich tun soll, doch mit ihm verwandelt sich ihr Mangel in Fülle. Und sie selbst werden geradezu durchpulst von neuem Lebensgeist und Lebensmut. Ja, selbst den Tod vertreibt Jesus aus dem Grab.
Insgesamt sieben Wunder, so sagen wir,- doch das schafft Abstand, denn Wunder geschehen, wenn überhaupt, ja immer nur woanders. Der Evangelist dagegen spricht konsequent von Zeichen, als wolle er sagen: „Schau hin, hör zu! Überall in Deiner Nähe kann es geschehen und geschieht es auch.
Was jahrelang erstarrt war, kommt auf einmal in Bewegung; getrübte Sicht wird wieder klar, sogar über den Horizont hinaus. Menschen voller Sehnsucht werden satt an Leib und Seele. Und längst begrabene Hoffnungen leben aus dem Nichts ganz plötzlich wieder auf.
Siebenmal, das ist die symbolische Zahl für die Einheit Gottes mit seiner Schöpfung. Und siebenmal dürfen wir miterleben, wie Jesus diese Einheit wieder herstellt; wie der Himmel einzieht, in das „beschädigte“ Leben der Menschen: Auferstehung mitten im Alltag.
Wenn es Himmel wird … - Wir können es nicht „machen“, aber wir können mit Jesus davon träumen. Wir können dafür Sorge tragen, dass er mit uns im selben Boot ist, dass er beim Essen mit am Tisch sitzt und zu unseren Festen eingeladen bleibt. Wir können ihn mitnehmen ans Krankenbett, in einen möglichen Konflikt, ja überallhin, wo es schwer zu werden droht.
Es wird nicht immer gut ausgehen, nicht sofort und in unserem Sinn. Doch Jesus wird an unserer Seite sein und uns und die Welt verwandeln in ein Stück vom Himmel.
In Jesus Christus berühren sich Himmel und Erde.
Durch ihn bekommen unsere Träume Hand und Fuß
und unsere Sehnsucht Name und Gesicht.
In seinem Kreuz liegt unser neues Leben
und seine Auferstehung öffnet uns die Ewigkeit.
Sein Wort sei unseres Fußes Leuchte und das Licht auf unserem Weg.
Amen
Wir haben Gottes Spuren festgestellt (EG 648)
Dr. Petra Liane Pohl
(in: Evangelische Frauen im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2026. Träume leben. 24 Andachten durch das Kirchenjahr)